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Die USA sind nicht direkt besorgt darüber, dass Kanada den schwedischen Kampfjet Saab JAS 39 Gripen in Kanada bauen oder einsetzen könnte. Die eigentliche Sorge der USA ist, dass Kanada weniger Lockheed Martin F-35A kauft als geplant.

Der Kern der Debatte ist politisch und sicherheitspolitisch – nicht technisch.
Kanada möchte mehr Kontrolle über seine eigene Verteidigung. Die USA wollen sicherstellen, dass Kanada seinen Teil bei der gemeinsamen Luftverteidigung erfüllt.

Kanadas F-35-Plan

Kanada nutzt noch immer die alten CF-18 Hornet, die dringend ersetzt werden müssen. Andere Länder haben ihre Hornets bereits ausgemustert, zum Beispiel die Royal Australian Air Force.

Kanada hat beschlossen, 88 F-35A zu kaufen. Bisher sind 16 Maschinen fest bestellt. Die ersten Jets sollen 2026 geliefert werden und zunächst für Ausbildung genutzt werden.

Die aktuelle Debatte dreht sich nicht darum, ob Kanada den F-35 komplett streicht. Es geht darum, ob Kanada weniger als 88 F-35 kauft und stattdessen zwei verschiedene Flugzeugtypen betreibt – so wie etwa die Royal Air Force.

Warum NORAD für die USA so wichtig ist

Kanada und die USA schützen ihren Luftraum gemeinsam im Rahmen von NORAD.

Dabei geht es nicht nur um Flugzeuge, sondern um ein gemeinsames System aus Radar, Datenverbindungen, Identifikation von Flugzeugen und Frühwarnsystemen. Diese Systeme werden von den USA kontrolliert.

Der Gripen ist mit NATO kompatibel, aber nicht vollständig in NORAD integriert.
Kanada kam 2021 zu dem Schluss, dass der Gripen für einfache Aufgaben ausreicht, aber nicht für alle Anforderungen von NORAD.

Der F-35 ist von Anfang an für die enge Zusammenarbeit mit US-Systemen gebaut worden. Für die USA ist er deshalb deutlich besser geeignet, um Kanadas Luftraum gemeinsam zu schützen.

Souveränität gegen Sicherheit

Kanada hat Angst, zu abhängig von den USA zu werden.
Es gibt die Sorge, dass die USA im Ernstfall Einfluss auf Wartung, Software oder Einsatz der F-35 nehmen könnten.

Aus Sicht der USA ist die Sicherheit Nordamerikas entscheidend.
Kanadas Luftraum ist ein direkter Zugang zum US-Luftraum. Wenn Kanada seine Aufgaben nicht vollständig erfüllen kann, sehen die USA ihre eigene Sicherheit gefährdet.

Solche Waffenkäufe sind immer auch politische Partnerschaften.
Auch in Ländern wie Kolumbien oder Peru zeigt sich: Die Wahl zwischen US-Flugzeugen und europäischen Flugzeugen ist immer auch eine Frage der politischen Ausrichtung.

Warum der Gripen für Kanada nur begrenzt geeignet ist

Der Gripen wird oft dafür gelobt, von kurzen oder einfachen Startbahnen starten zu können.
Das ist für Schweden wichtig – für Kanada aber kaum relevant. Kanada hat große, gut ausgebaute Stützpunkte.

Wichtiger für Kanada ist die Reichweite.
Der Norden des Landes ist riesig. Hier hat der F-35A mit seinem größeren internen Treibstoffvorrat klare Vorteile.

Auch Tests der kanadischen Verteidigung zeigten:
Der F-35A schnitt bei militärischen Fähigkeiten deutlich besser ab als der Gripen E.

Leichter Kampfjet gegen High-End-System

Der Gripen E ist ein moderner, leichter Mehrzweckjet.
Er ist günstiger als der F-35 – aber auch weniger leistungsfähig.

In der gleichen Klasse wie der Gripen E fliegen zum Beispiel:

  • der Eurofighter Typhoon
  • die Dassault Rafale
  • die F-16 Block 70/72

Der F-35A spielt in einer anderen Liga.
Er ist kein direkter Konkurrent des Gripen, sondern eine eigene Klasse moderner Kampfflugzeuge.

Warum Rafale und Eurofighter für Kanada keine Lösung waren

Kanada prüfte auch den Eurofighter und die Rafale.
Beide Hersteller zogen sich jedoch zurück, weil die Anforderungen von NORAD sehr aufwendig sind und eine tiefe Integration in US-Systeme erfordern.

Diese Integration wäre teuer und technisch schwierig gewesen.
Deshalb blieben am Ende nur noch der F-35 und der Gripen im Rennen.

Fazit

Die USA haben kein Problem damit, wenn Kanada zusätzlich den Gripen kauft.
Das Problem entsteht erst, wenn Kanada zu wenige F-35 anschafft, um seine Aufgaben bei NORAD zuverlässig zu erfüllen.

Für die USA geht es nicht um Geld oder Industriepolitik.
Es geht um die Sicherheit Nordamerikas.

Für Kanada geht es um Unabhängigkeit und Vertrauen.
Der Konflikt ist daher vor allem politisch – und weniger eine Frage der Technik.

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